Keimlinge

Anne Buschoff im Katalog swb Galerie 2002

Anne Baisch arbeitet ihre Plastiken in der Tradition der konkreten Kunst aus formal neutralen, geometrisch strengen Flächen, die sie dann im Sinne prozessualer Naturvorgänge in den Raum greifen läßt. So wie die Große Schaukel einseitig aus dem Halbkreissegment wächst, (sich gleichsam verästelt und verzweigt,) lassen auch die ellipsenförmigen Aluminiumbleche – nicht zuletzt in ihrem Titel Keimlinge – Wachstumsprozesse assoziieren. Baisch haucht ihnen Leben ein, indem sie sie in unendlichen Varianten mit unerschöpflicher Phantasie und leidenschaftlicher Intensität aus der Flächigkeit in die Dreidimensionalität überführt: Zunächst werden die Ursprungsformen der Blätter eingeschnitten. Die dabei entstehenden, messerscharfen Segmente werden in die Höhe oder in die Tiefe gebogen, teils getreppt oder durch weitere Einschnitte geädert. Mal keimt die puristische Form nur zaghaft auf – so etwa wenn eine Blechspitze in einem Streifen ausgeschnitten und nach unten geführt ist, so daß der Keimling schräg steht. Mal wird der Keimling in einen lebhaften Dialog zwischen offener und geschlossener Form versetzt, indem ihn ein tiefer Grat der Länge nach halbiert oder Krater und Schanzen explosiv aus der geometrische Askese in den Umraum brechen. Gleich Seerosen auf einem Teich komponiert Baisch die pflanzlichen Metamorphosen auf dem Boden und schafft darin ein faszinierendes, lyrisch gestimmtes Kräftefeld.