Installationen

Bronzen

Martina Rudloff im Katalog Zwischenlandung 1996

Bei aller Vorbedachtheit, allem Kalkül, die dem Prozess der bildnerischen Gestaltung von Skulptur als primär statisches Gefüge nun einmal eigen sind, stellt doch die figürliche Plastik noch am ehesten die Unmittelbarkeit einer menschlichen Beziehung her. Die körperliche Nähe oder Distanz setzten das rationale und emotionale Wechselspiel psychischer Zwischentöne in Gang und färben das Fluidum der Empfindung „auf den ersten Blick“. Anne Baischs Weiblein purzeln als ein Quell von Lebensfreude à la prima in ein Werk, das sich bisher eher distanziert gegenüber Figurativem und Spontanem verhalten hat. Mit introvertierter Besinnlichkeit und sublimer Sensibilität schnitt sie ihre transluciden Gestaltzeichen aus Aluminiumblech oder Glas, deren scharfe, zarten Linien sich fast minimalistisch mit leisen Schwingungen im Raum bewegen. Jetzt kommt die Eruption vitaler Gebärde, die Lust am Kneten in Ton und an der narrativen Gestik von irgendwo her. „Zwischenlandung“ nennt Anne Baisch ihr herabtummelndes Weibervölkchen. Da stehen, tanzen oder hüpfen sie: Die Arme empfangend ausgebreitet oder kokett in die Hüfte gestemmt, emphatisch gestikulierend oder zaghaft angedrückt; ganz ohne Arme auch mit Stummel- oder gar Flügelchen. Rund und voll sind ihre Körper, freudig erregt die prallen Brüste, keck die kleinen Köpfe mit den Haarknötchen. Dem Vergnügen entsprungen ist diese „leichte Geburt“ von 28 Figurinen von der Hand einer Künstlerin, die sehr wohl um das Zuviel oder Zuwenig weiß, die das Formverhalten der Vielheit in der Einheit kennt und ihre Akzente prägnant zu setzen vermag. Auch ist sich Anne Baisch bewusst, dass solch ein Born schnell wieder versiegen kann – und dann bleibt was es ist: eine Zwischenlandung eben.

Schatten

Dr. Anette Naumann in der Eröffnungsrede zur Ausstellung im Haus der Wissenschaft, Bremen 2012

Der Schattenwurf von Gegenständen ist ein Vorgang in der Natur, der durch die Gesetze der Optik präzise beschrieben und in Grenzen auch vorausberechnet werden kann. Man kennt die Bedingungen, von denen er abhängig ist, doch umgekehrt ist es nicht möglich, von einem Schatten auf die Beschaffenheit des Objekts rückzuschließen. Genau dazu wird man jedoch verleitet angesichts der Fotografien von Anne Baisch, die sie wie eine Versuchsanordnung inszeniert. Filigrane Papier- und Metall Skulpturen werden von einer punktförmigen Lichtquelle beleuchtet, die je nach Ausrichtung den Schattenwurf auf drastische Weise verändert. Auch wenn die räumliche Positionierung ihrer Objekte logisch zu erschließen ist, bleiben die projizierten Schatten rätselhaft und geheimnisvoll. Ihre aus der Fläche geborenen Skulpturen treten durch aufgebogene Einschnitte in die Räumlichkeit ein. In den Schattenfotografien wird diese Körperhaftigkeit jedoch wieder verunklärt, indem Objekt und Schlagschatten einander ähnlich werden, ihre Rollen vertauschen. Was ist Ursache, was ist Wirkung? Wer ist das handelnde Subjekt, wer lebt in Abhängigkeit? Der an sich weniger als das Objekt aussagende Schatten wird hier zum eigentlichen Akteur, zum ausdrucksstarken Gegenspieler, der ein Eigenleben führt. In der stringenten Abstraktion der Form werden die literarisch-psychologischen Konnotationen des Doppelgänger-Motivs auf expressive Weise mit anschaulich.

 

Klangsaeule

Siegrid Ernst 1988

Zur Uraufführung von „Wege“ für Klangsäule, Stimme, Saxophon und Violoncello

Der Eigenartigkeit von Anne Baischs Klangsäule in Improvisationen nachzuspüren war für mich von großem Reiz. Insbesondere der vielfältige und lange Nachhall faszinierte mich, er schafft eine besondere Atmosphäre. Die nicht ganz kalkulierbare Offenheit der Ereignisse in ein festgelegtes Geschehen kompositorisch einzubinden lockte mich ebenfalls. Dabei schienen sich die menschliche Stimme, das Saxophon und Violoncello mit ihrer Modulationsfähigkeit in Dynamik, Tonhöhe und Farbe sowohl als Äquivalent wie als Gegenpol anzubieten, und der sparsame Text von Kyrilla Spieker öffnet (wie das Instrument) Räume zum Lauschen und Nachsinnen.

Aktivitäten mit der Klangsäule:

(aus dem Katalog Werkwechsel 1991, hrs. GEDOK)

Rauminstallation

Balancen“ 1987 mit der Künstlergruppe ExR. In der ehemaligen Eisengießerei Bremen/Hemelingen

Komposition

Wege“ von Siegrid Ernst für Violoncello, Saxophon, Stimme, Klangsäule, aufgeführt auf dem Kongress „women in music“, Heidelberg 1988,
in der Veranstaltungsreihe „Orte – Klänge - Wege“ der GEDOK Bremen 1989, Weltmusikwoche Köln 1991,
Veranstaltungsreihe „Grenzzeiten“ der GEDOK Bremen 1997
Radio Bremen Sendesaal 1991
Klänge sehen - Farben hören“ Musik der Gegenwart, Weserburgmuseum Bremen 2007

Performance

Kasia Prassal, Mannheim und Bremen 1988
Li Portenlänger, Köln 1991

Textperformance

Isolde Loock, Bremen 1989 und Köln 1991

Fotografie

Eberhard Syring, Bremen 1987 – 90

Buchobjekt1990

Anne Baisch, Isolde Loock, Eberhard Syring (im Besitz des Museums Weserburg, Bremen

 

Genezareth

Der Titel bezieht sich auf die biblische Wundergeschichte bei Matthäus 14 Vers 22-32 , in der Jesus auf dem Wasser wandelt und Petrus es ihm gleichtun möchte. Es geht um Glauben, Zweifel, Vertrauen.

Dr. Detlef Roth in der Eröffnungsrede im Bremer Dom 2003:

„Glas ist so transparent wie Luft, wie klares Wasser, aber es ist hart, zerbrechlich, ein extrem riskantes Material. Die rechteckigen Glasscheiben zeigen mit ihrer Spitze nach oben, sie signalisieren „Vorsicht, Gefahr, Verletzlichkeit“, „Komme nicht zu nah“. Aber da sind auch die silbernen Streifen, die schräg nach oben leuchten, da sind die grünen Linien der ungeschliffenen Kanten, da sind die weißen, spiegelnden Flächen, ein Genuss für das Auge. Das Auge verspricht vielleicht Leichtigkeit und ferne Sehnsucht. Wissen und Erfahrung sehen allerdings die feindliche Scharfkantigkeit, das kalt Schneidende. Und dann schiebt das Glas wie Wellen auf uns zu und züngelt mit den Spitzen, als ob es uns ertränken will mit tiefen Schnitten durch unsere Haut. So bleiben wir davor stehen, beugen uns herab und blicken durch gläserne, vereiste Schönheit in die tiefe Ferne“.

 

Windrädchen

Anne Buschoff im Katalog swb Galerie 2002

Mit ihrem Willmersdorfer Mühlenweg schuf Baisch bereits 1994 eine Kunstlandschaft, die ebenfalls Analogien zur Natur aufweist, aber begehbar ist und zudem mit der Erzeugung von Klängen einen zentralen Aspekt im Gesamtwerk von Anne Baisch aufgreift. Baisch hat in die Grasnarben eines Wiesenweges zarte Windräder aus Bambus und weißer Folie gereiht, die in ihrer Biegsamkeit dem Wind nachgeben. Aus der Ferne betrachtet fügen sie sich als weich fließender Kontur in die sanfte Hügellandschaft ein.

Die Installation lebt von dem Gestaltungsprinzip der visuellen und auditiven Veränderung: Der Wind läßt die Form zum kinetischen Ablauf werden, der Energien freisetzt und Klang erzeugt. Die Windräder werden zu poetisch gestimmten Raumzeichen und Klangkörpern, die Auge und Ohr für die Landschaft öffnen, die Natur und Leben feiern.

Für das Gelände der swb AG hat Baisch ihre Windräder in Reih und Glied gezwungen. In ihrer parallelen Anordnung und ihren zur Mitte ansteigenden Höhen umschreiben sie das Volumen eines Hauses. Das Kleine Energiehaus ist kein Windpark, der Energie zur wirtschaftlichen Nutzung erzeugt (und ) aber in seiner äußeren Form sowohl auf den Energiekonzern swb als auch auf seine Kundschaft anspielt. Auch hier vereint Anne Baisch geometrische Strenge und zwanglose Experimentierfreude mit dem ihr eigenen bestechenden Augenzwinkern.

Weitere Beiträge...

  1. Spiegelblätter
  2. Keimlinge
  3. Bleche